Universität Konstanz Exzellenzcluster „Kulturelle Grundlagen von Integration“

Kernbereich (Pflicht)

Kulturtheorie

Im Kernbereich des neuen Studiengangs soll die europäische Geschichte des Kulturbegriffs aufgearbeitet werden. Gleichzeitig geht es um eine kritische Bestandsaufnahme aktueller Konzepte, die der cultural turn in die Geistes- und Sozialwissenschaften eingebracht hat.

„Kultur“ ist ein europäischer Begriff. Seine Wurzeln reichen in die römische Antike zurück. Konjunktur bekam er jedoch vor allem in der Moderne: im Zuge der Entdeckung und Eroberung neuer Länder, der Konfrontation mit fremden Sprachen, Religionen und Lebensformen, schließlich durch den befremdeten Blick auf die Selbstverständlichkeiten der eigenen Welt.

Der Kampf um kulturelle Vorherrschaft hat Europa nicht nur geeint, sondern ebenso sehr entzweit. Bis heute sind die Grenzen Europas eine Frage von Hürden, an denen sich Kulturen scheiden. Was als „kulturbedingt“ gilt, ist jedoch keineswegs klar, sondern abhängig von unterschiedlichen Vorannahmen – die selbst an kulturspezifische Perspektiven gebunden sind. Je mehr der Kulturbegriff erklären soll, desto wichtiger wird die theoretische Verständigung über tragfähige Konzepte von Kultur.

Kulturgeschichte

Im Kernbereich des neuen Studiengangs werden einerseits exemplarische Mythen Europas rekonstruiert. Andererseits geht es um die Beleuchtung zentraler Institutionen, von Formen und Praktiken der Traditionsbildung.

Neben den prägenden politischen Einrichtungen und sozialen Gebilden – Demokratie und Imperium, Kirche und Staat, Stadt, Nation und Föderation – hat Europa auch elementare Kulturtechniken hervorgebracht. Wissenschaften und Künste waren entscheidende Triebkräfte, um Herrschaftsansprüche zu befriedigen, in zunehmendem Maße aber auch abzuweisen.

Die Geschichte dieser kulturellen Errungenschaften mitgesteuert haben große und kleine Erzählungen, mit deren Hilfe sich Überlieferungen sichern, Erbfolgen begründen und Zukünfte vorausträumen ließen. So wie der Ursprung Europas sich im Mythos verliert – dem Mythos vom verliebten Zeus in Stiergestalt, der die phönizische Prinzessin Europa raubt –, so sind auch die weiteren Entwicklungen mit Mythen verknüpft: mit Imaginationen von Wiedergeburten, Translationen und Aufbrüchen ins Ungewisse, von universalistischen Entwürfen und Sonderwegen.

Europa-Parlament

Europa-Parlament heißt das regelmäßige Kolloquium für Studierende und Lehrende. Es dient der gemeinsamen Verständigung über zentrale Studieninhalte sowie praktische Fragen der Studiengestaltung.

Dabei geht es ebenso um die theoretische Reflexion des interdisziplinären Studiums wie um die Gelegenheit zum Gespräch mit Gästen aus Cluster-Forschungsprojekten, die Einblick in Probleme und Fragen ihrer Arbeit geben. Darüber hinaus bietet das Kolloquium Raum für die gemeinsame Vor- und Nachbereitung des Auslandsaufenthalts sowie die Vorbereitung der Masterthesis.

Audio

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