Narrativität und der Wissenschaftsanspruch der Geschichtswissenschaft
Abstract
Kulturelle Identitätsstiftung wird von einer Reihe von narrativen Genres konstituiert. Zu diesen Genres gehört auch die (wissenschaftliche) Historiographie. Die Historiographie fundiert sowohl ihre Legitimität als eine spezifische Form der Identitätsstiftung als auch ihr Selbstverständnis in ihrem Wissenschaftlichkeitsanspruch, der sich nicht zuletzt im Faktenbezug ihrer Narrationen gründet.
Narrativität und narrativistische Theoriebildung werden allerdings in der geschichstheoretischen Diskussion häufig als Gefahr für diesen Wissenschaftsanspruch und damit für das Selbstverständnis und die Legitimität der Geschichtswissenschaft gewertet.
Das Projekt möchte diese Einschätzung korrigieren, indem es die epistemologisch-wissenschaftstheoretischen Konsequenzen des narrativistischen Ansatzes in der Geschichtstheorie systematisch untersucht.
Dabei wird die erkenntniskonstitutive Rolle des Historikers und seine kulturell bestimmte Gegenwartsposition ins Zentrum der Untersuchung gerückt. Es soll danach gefragt werden, welche Auswirkungen die theoretischen, weltanschaulichen oder auch lebensweltlichen Präsuppositionen auf markante Bereiche geschichtswissenschaftlichen Arbeitens haben. Im Einzelnen wird das Augenmerk auf die Konstituierung historiographischer Gegenstände und auf die Bildung des begrifflichen Apparates zu deren Beschreibung und Erklärung gerichtet und zwar in besonderer Hinsicht auf die narrative Integration dieser elementaren Einheiten zu narrativen Repräsentationen vergangener Wirklichkeit.
Ein besonderer Rationalitäts- und Ausweisungsdruck entsteht, so wird vermutet, durch die Konkurrenz- oder Koexistenzsituation multipler kultureller Identitätsentwürfe innerhalb und außerhalb der jeweiligen Gesellschaft, zu der der Historiker sich selbst als zugehörig ansieht. Denn angesichts einer Vielzahl potentieller (narrativer) Identitätsstiftungen können die eigenen erkenntniskonstitutiven Präsuppositionen nicht mehr als selbstverständlich vorausgesetzt werden, sondern müssen beständig reflexiv überprüft und gerechtfertigt werden. Auf diese Weise soll eine Vereinbarung des wissenschaftlichen Status der Geschichtswissenschaft mit moderner narrativistischer Theoriebildung ermöglicht werden.
Veranstaltungen
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3. Februar 2012
Das Reale in der Psychoanalyse
Workshop des Graduiertenkollegs „Das Reale in der Kultur der Moderne“
Fr-Sa, 3.-4. Februar 2012
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7. Februar 2012
Bloggen, Twittern, Sharen in der Wissenschaft. Zeitverschwendung oder Chance?
Brown-Bag-Seminar
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8. Februar 2012
One in Many, Many in One
How Integration Emerged in the Discourse on Islam and Science
Prof. Leif Stenberg, Dr. Stefano Bigliardi (Lund University, Center for Middle Eastern Studies)
Kulturwissenschaftliches Kolloquium
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9. Februar 2012
„Das ist Amerika!“ Visuelle Repräsentationen der USA in der sowjetischen Presse während des Kalten Krieges
Dr. Isabelle de Keghel (Berlin)
Arbeitsgespräch des Kulturwissenschaftlichen Kollegs
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10. Februar 2012
Benjamin Disraeli: Romanwelten eines Politikers
Seminar im Rahmen der Dahrendorf-Gastprofessur
Patrick Bahners (Frankfurt M.), Matthias Oppermann (Potsdam)
Fr-Sa, 10.-11. Februar 2012
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13. Februar 2012
Basque Culture and Political Conflict
Basque Symposium Konstanz
Mon-Tue, 13-14 February 2012
Audio/Video
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12. Dezember 2011
Zarte Lyrik und die Herrschaft des Buches [Update]
Der Literaturwissenschaftler Albrecht Koschorke über „Dichtende Despoten“. Videobeitrag von zdf.kultur und 3sat Kulturzeit