Häuser, Hausnamen, Hausmarken
Materielle Kultur und Identität im Stralsund des späten Mittelalters
Teilprojekt des Forschungsprojektes „Geschlecht, Namenwahl und Eheschließung“
Abstract
Nicht nur in Italien spielte das (Stein-)Haus im späten Mittelalter als Medium von Repräsentation und Vermittler sozialer Identität eine herausragende Rolle, auch nördlich der Alpen lassen sich vergleichbare Muster feststellen. Anders als seine repräsentativen, sind seine symbolischen Dimensionen in der Forschung bisher allerdings bloß gestreift worden. Zentrale Bedeutung kommt dabei den Häusernamen und Hauszeichen zu.
Hausmarken und Hauszeichen scheint eine deutsche Partikularität darzustellen, zumindest finden sich in der französisch- und englischsprachigen Forschung kaum Hinweise auf eine Parallelerscheinung. Sie dienten seit dem 13. Jahrhundert in der Form abstrakter Strichzeichen als Markierungen für Häuser bzw. als Zeichen für Hausbesitz. Als unmittelbares Bindeglied zwischen der Immobilie, die sie bezeichnete, und der Familie, die sie bewohnte, konnte die Hausmarke als Siegelbild oder als „Unterschrift“ (Signet) aber auch rechtliche Funktionen übernehmen. Neben Hauswand, Kirchstuhl, Siegel und Urkunde als Zeichenträger finden sich Hausmarken anstelle von Wappen häufig auch auf Altartafeln, Kirchstühlen und in Kirchenfenstern abgebildet.
In Bezug auf die Hausnamen unterscheidet Grohe in seiner grundlegenden Arbeit von 1913 zwischen solchen, welche die Allgemeinheit gab, und solchen, die „künstlich“, also auf Wunsch des jeweiligen Besitzers entstanden. An diesen „künstlichen“ Hausnamen lassen sich verschiedene Fragestellungen festmachen: Wann oder zu welchen Anlässen wurden Häusernamen angenommen oder verändert? Wie wurden sie als Medium sowohl der Integration als auch der Abgrenzung genutzt? Wer bediente sich dieser Namensgebung, um sich eine andere, eine neue Identität einzuverleiben? Häufig waren es Neuankömmlinge, die sich den Namen des frisch erworbenen Hauses aneigneten; andere jedoch gaben dem Haus den Namen ihres Herkunftsortes. Auch innerfamiliär konnte der Hausname bei der Identitätsbestimmung helfen. So war es im städtischen Patriziat üblich, Familienzweige anhand der Häusernamen auseinander zu halten; andernorts diente die „Burg“ als Unterscheidungsmerkmal für die verschiedenen Familienzweige. Auf allen hier angesprochenen Ebenen wird schließlich deutlich, wie eng der Bezug zwischen dem Haus als Traditions- und Identitätsträger und seinem häufig wechselnden Besitzer sein konnte.
Im Rahmen meines Dissertationsprojektes werde ich die skizzierten Fragestellungen beispielhaft anhand der Stadt Stralsund untersuchen, die dank ihrer reichen Überlieferung insbesondere auch an spätmittelalterlichen Testamenten und Realien ein besonders geeignetes Untersuchungsfeld darstellt.
Veranstaltungen
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21. Mai 2012
The Virtual Hadrian’s Villa
Prof. Dr. Bernard D. Frischer (Virginia)
Vortrag in Kooperation mit dem Zukunftskolleg
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23. Mai 2012
EU-Migrationsrecht zwischen universeller Freizügigkeit und „Festung Europa“
Prof. Dr. Daniel Thym (Konstanz)
Kulturwissenschaftliches Kolloquium
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24. Mai 2012
Das I/innere Afrika des Realismus. Literatur und Wissen über Afrika in der (Zeitschriften-)Kultur der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts
Dr. Daniela Gretz (Bochum)
Arbeitsgespräch des Kulturwissenschaftlichen Kollegs
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24. Mai 2012
Rationalism tries to meet Empiricism: The Leibniz-Locke dialogue that didn't take place
Prof. Dr. Marcelo Dascal (Tel Aviv University)
Lecture
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25. Mai 2012
Körper in Bewegung – Sport durch die Jahrhunderte
Universitätstag der Geisteswissenschaften
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30. Mai 2012
Reisen in Grenzregionen. Dokumentarische Blicke, mobile Betrachter
Werkstattgespräch
mit Ulrike Ottinger, Ursula Biemann, Shaheen Dill-Riaz, Deniz Göktürk, Sven Sappelt, Tanja Zimmermann. [geändertes Datum]
Audio/Video
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17. April 2012
„Nirgendwo Gott näher sein als hier“
Die ARD-Sendung Weltreisen begleitet die Konstanzer Historikerin Verena Krebs und ihren Assistenten Philip Mayer auf ihrer kunsthistorischen Forschungsreise zu den berühmten Felsenkirchen im Norden Äthiopiens. Einblicke