Existenz zwischen Erweckung und Endzeit
Zeitlogik, religiöse Praxis und Selbstverortung des Individuums in der Pfingstbewegung in Lateinamerika
Abstract
Der weltweite Erfolg fundamentalistischer Bewegungen ist besonders in Entwicklungs- und Schwellenländern allgegenwärtig. Im Zuge gesellschaftlicher Umbrüche und des strukturellen Wandels werden in vielen lateinamerikanischen Gesellschaften zahllose Menschen an den Rand der Gesellschaft gedrängt und leben in extremer Armut. Diese Menschen scheinen sich mit vorherrschenden Deutungsmustern ihr Unglück nicht mehr erklären zu können und suchen deshalb nach neuen Wegen aus der Krise. Einen solchen Weg scheint die Pfingstbewegung vielen von ihnen zu ebnen. Sie ist die am schnellsten wachsende Religionsgemeinschaft innerhalb des Christentums und das auch im katholisch geprägten Lateinamerika. Anders als bei der charismatischen Erneuerungsbewegung werden von den traditionellen, aber noch nicht etablierten Pfingstgemeinden sozial Marginalisierte angezogen. Es stellt sich also die Frage, warum sich gerade die Ärmsten einer Bewegung anschließen, die sich durch das Erleben des Heiligen Geistes und der Beharrung auf den Endzeitgedanken auszeichnet.
Die Frage nach Integration ist aus soziologischer Perspektive nicht mehr ohne die Berücksichtigung religiöser Phänomene zu lösen. Das entscheidende Element ist im Fall dieser Bewegung nicht die Integration in die Gesellschaft, sondern primär die Integration in die Gemeinschaft. Das Dissertationsprojekt geht der Frage nach, ob die Zugehörigkeit zur Pfingstbewegung den Individuen eine Neuverortung im sozialen Gefüge auf der Basis einer neuen Zeitlogik ermöglicht. Diese wäre definiert durch den „Neubeginn“ am Tage der Erweckung und der Erwartung der Endzeit. Ein damit ermöglichter Neuanfang unterläge einer doppelten Kontrolle: Einerseits durch die strenge Reglementierung der Bewegung und andererseits durch die rationale Lebensführung des Gläubigen. Analysiert werden soll dafür das Verhältnis von Zeitlogik, religiöser Praxis und der Selbstverortung des Individuums im gesellschaftlichen Gefüge.
Veranstaltungen
-
3. Februar 2012
Das Reale in der Psychoanalyse
Workshop des Graduiertenkollegs „Das Reale in der Kultur der Moderne“
Fr-Sa, 3.-4. Februar 2012
-
7. Februar 2012
Bloggen, Twittern, Sharen in der Wissenschaft. Zeitverschwendung oder Chance?
Brown-Bag-Seminar
-
8. Februar 2012
One in Many, Many in One
How Integration Emerged in the Discourse on Islam and Science
Prof. Leif Stenberg, Dr. Stefano Bigliardi (Lund University, Center for Middle Eastern Studies)
Kulturwissenschaftliches Kolloquium
-
9. Februar 2012
„Das ist Amerika!“ Visuelle Repräsentationen der USA in der sowjetischen Presse während des Kalten Krieges
Dr. Isabelle de Keghel (Berlin)
Arbeitsgespräch des Kulturwissenschaftlichen Kollegs
-
10. Februar 2012
Benjamin Disraeli: Romanwelten eines Politikers
Seminar im Rahmen der Dahrendorf-Gastprofessur
Patrick Bahners (Frankfurt M.), Matthias Oppermann (Potsdam)
Fr-Sa, 10.-11. Februar 2012
-
13. Februar 2012
Basque Culture and Political Conflict
Basque Symposium Konstanz
Mon-Tue, 13-14 February 2012
Audio/Video
-
12. Dezember 2011
Zarte Lyrik und die Herrschaft des Buches [Update]
Der Literaturwissenschaftler Albrecht Koschorke über „Dichtende Despoten“. Videobeitrag von zdf.kultur und 3sat Kulturzeit